Veränderungen

Veränderungen

Meine Gedanken

 

Was für ein Jahr!

2020 war für uns ganz anders als erwartet. Ganz anders als die Jahre vorher. Das Weihnachtsfest war anders als die anderen. Das geht allen so, die Pandemie ist ein kollektives Erleben. Dennoch trifft es individuell verschieden. Existenzängste, veränderte Geschäftsmodelle, veränderte Arbeitssituationen, verändertes Freizeitverhalten. Keiner hat eine solche signifikante Veränderung erwartet. Es war niemand vorbereitet. Erzwungenes Umdenken. Erzwungenes neu Denken. Radikale Veränderungen.

Was sind Veränderungen? Warum sind sie oft so schmerzhaft? Warum ist der Widerstand oft so groß? 

 

Veränderungen sind Teil unserer menschlichen Existenz. Manche müssen wir hinnehmen, weil sie von außen kommen, andere müssen wir einleiten, weil sie notwendig sind für unsere Zufriedenheit. Nicht immer fallen sie uns leicht. 

 

Von außen bestimmte Veränderungen sind in der Regel wie exogene Schocks. Sie lösen häufig Krisen aus, die uns bis auf die Grundfesten unseres Seins erschüttern. Nichts ist mehr wie vorher. Alles ist in Frage gestellt. Und „gewollt“ haben wir das sicher nicht. Aber jetzt ist sie da: die Veränderung! Wie ein ungebetener Gast, der zur Unzeit auftaucht und nicht wieder gehen will. Nach der Zeit des Widerstandes, des „ich mache es ungeschehen“ und des „ich ignoriere dich“ gleiten wir langsam in die Akzeptanz und dann idealerweise in die Integration. Schaffen wir die Integration, dann hat uns das Ereignis verwandelt und ist ein Bestandteil unseres Seins. Wir sind anders als vorher. Wir sind mehr. Wir sind um Erfahrungen reicher. Wir sind menschlicher. Menschlicher in dem Sinne, dass wir Erkenntnisse gewonnen haben, die uns den anderen Menschen und dem Leben näher bringen. Tiefere Einsichten in die Natur der menschlichen Existenz und ihrer Willkür. Häufig stellt sich in den exogen erzwungenen Veränderungen die Frage nach dem Glauben. Hier beginnt für alle die Phase der kritischen Überprüfung ihrer Haltung. Welcher Glaube oder Unglaube trägt mich weiter?

 

Veränderungen, die wir einleiten, (müssen) um uns selber treu zu bleiben oder um unsere Zufriedenheit (Glück ist mir an der Stelle ein zu abgedroschener Begriff) zu erhalten/zu steigern, sind auch mit Schmerzen verbunden. Denn wir lassen immer etwas hinter uns, wenn wir uns verändern. Auch die gewollte, initiierte und geplante Veränderung tut weh. Sie verwandelt das Alte in Vergangenheit, in etwas „das hinter uns liegt“. Wir entfernen uns davon und es wird irgendwann nur noch in der Erinnerung leben. Selbst die positiven, erträumten Veränderungen haben einen Preis. Das Alte ist nicht mehr.

 

Aber ist das nicht immer so? Jetzt ist nicht eben. Gleich ist nicht jetzt. Morgen ist nicht heute. Heute ist nicht gestern. Jede Sekunde ist ein Wandel, jede Sekunde ist eine Veränderung. Eigentlich ist alles Leben permanente Veränderung. Die Konstanz ist eine Illusion. Eine Illusion, der wir alle ständig unterliegen. Vielleicht eine Illusion, die wir zum Überleben brauchen. 

 

Radikal gedacht tun wie uns selber einen Gefallen, wenn wir die permanente Veränderung erkennen, akzeptieren und willkommen heißen. Die Veränderung ist die Konstante. Sträuben wir uns gegen die Veränderung, dann stemmen wir uns gegen den Fluß des Lebens – den Kampf verlieren wir.