Warum Frust ein guter Ratgeber ist

Dorothee Schröter 

 

 

 

Frustration

Warum Frust ein guter Ratgeber ist

 

Im Zusammenhang mit Autorität und der dazugehörigen Durchsetzungskraft habe ich den Begriff der Frustrationstoleranz verwendet und möchte hier dazu noch einige Gedanken teilen.

Frust stellt sich ein, wenn die Dinge nicht so laufen wie wir wollen - salopp gesagt. Quasi definiert als kleine Schwester der Niederlage. Hier geht es nicht im Kern um die psychologische Definition und die Störungsbilder sondern um unseren Umgang mit der Unsicherheit, wenn uns nicht alles in den Schoß fällt. Hier soll es um den alltäglichen Frust-Moment gehen. Im Beruf und privat. Wir erleben etwas und ärgern uns darüber und dann erkennen wir: das ist total frustrierend. Es läuft nicht wie geplant/gewünscht. Ich laufe gefühlt gegen eine Wand und egal, was ich tue, keiner hört auf mich. Wieder konnte ich mit meinem Vorschlag nicht weiterkommen...wieder ist eine Idee abgeschmettert ... wieder hat mein Kollege mit Gelaber  die Lorbeeren geerntet ... wieder hat mein Partner die Pläne geändert ... wieder hat mein Kind nicht aufgeräumt ... die Liste kann beliebig verlängert werden. Was mache ich damit? Ertragen? Resignieren? Einfach aufgeben? Losbrüllen?

Frust verlangt, dass wir eine Pause machen und reflektieren. Luft holen, gar nichts tun. Ziele checken, Methode checken und dann Kraft und Motivation nachladen.  

Schon bei Kindern können wir beobachten, dass es unterschiedliche Arten gibt mit frustrierenden Erlebnissen umzugehen: auf den Boden werfen und schreien, weinen und betteln, sehr traurig gucken und emotionalen Druck machen, wegschieben - „wollte ich sowieso nicht“, Gewalt anwenden, argumentieren...und noch ein paar Varianten. Emotional reagieren wir häufig als Erwachsene innerlich nicht anders, wir kaschieren es nur besser. Erwachsene haben gelernt, weiter zu machen, auch wenn es anstrengend wird. Aber wann ist genug?  Wann wird es dumm, dem Frust nicht zuzuhören? 

Es wird dumm, wenn der Frust chronisch wird und sich in meine gesamte Existenz „einarbeitet“. Chronischer Frust macht missmutig, griesgrämig und krank. Ich würde sogar behaupten, dass chronischer Frust auch radikalisieren kann. Chronischer Frust frisst die Toleranz auf. Und dann sprechen sie nicht mehr von ihrem eigenen Frust, sondern von „den Anderen, die alle Schuld sind“. Chronischer Frust verhindert ein friedliches Miteinander in allen Lebensbereichen und natürlich auch jede Form von persönlicher Zufriedenheit. 

Chronischen Frust verhindern ist das Ziel. 

D.h. ich muss bei jedem frustrierenden Moment in meinem Leben aufmerksam sein und registrieren, was er mir sagen will. Es gibt tatsächlich eine überschaubare Anzahl von Möglichkeiten, die ich abklären muss in mir: 1.) Bin ich zu verwöhnt? 2.) Ist mein Anspruch zu hoch? 3.) Kann ich etwas verändern? 

Ad 1.) Ist mir bisher alles zugeflogen, kenne ich mich mit Widerständen gar nicht aus und verzweifle jetzt an ganz alltäglichen Dingen? Muss ich einfach lernen, dass die Welt sich nicht um mich dreht? Hier kann ich einfach weitermachen und daraus „Biss“ lernen. Ich stärke mein Durchhaltevermögen und beweise mir selber, dass ich kontinuierlich und beharrlich sein kann. Außerdem lerne ich idealerweise noch, mich nicht zu wichtig zu nehmen - die rote Ampel meint es nicht persönlich, sie richtet sich nicht genau gegen mich. 

Ad 2.) Habe ich Erwartungen gebildet, die nicht realistisch sind? Bin ich frustriert, weil ich etwas erwartet habe, was nicht realistisch war? Seine eigenen Erwartungen zu überprüfen, kann erstaunliche Erkenntnisse liefern und den eigenen Reifeprozess sinnvoll unterstützen. Wer erwartet, dass er der einzige Mensch auf Erden ist, für den Alltagsregeln im menschlichen Umgang und Gesetze des Wirtschaftens nicht gelten - könnte enttäuscht werden und Frustration erleben. Gerade die sehr erfolgreichen Erfinder und „out of the box“ Unternehmer kennen und spielen die Regeln nach denen unsere Welt funktioniert.

Ad 3.) Was liegt in meinem Einflussbereich, um die Situation zu verändern? Menschen, Methoden, Wege, ich selber etc.. Hier kann ich sehr viel selber steuern und beeinflussen. Es ist der Bereich, wo ich nachjustieren kann. Lohnt sich die Anstrengung für dieses Ziel? Ist das Ziel noch erstrebenswert? Habe ich Schwierigkeiten in der Planung übersehen, die ich jetzt berücksichtigen muss? Gibt es neue Erkenntnisse, die eine Überprüfung der Methoden erforderlich machen? Jede Erkenntnis und Anpassung in diesem Bereich dient meiner eigenen Entwicklung und erweitert meine Lebenserfahrung. Deshalb werden so häufig Unternehmer zitiert, die aus ihren krachenden Niederlagen Lektionen mitgenommen haben, die sie am Ende so erfolgreich machen.

Egal, wo ich stehe - nach der Reflexion finde ich meine Motivation wieder und meistens auch ganz nebenbei meine Kraft. Sobald ich nicht mehr frustriert im Nebel stochere, wächst die Kraft. Sobald ich wieder die Steuerung übernehme, kommen Kraft und Motivation um die Ecke. Die Wahrnehmung richtet sich wieder auf die Möglichkeiten in meinem Leben und schon werden die „Widerstände“ kleiner. Also: begrüßt den Frust als guten Ratgeber und Entwicklungshelfer in eurem Leben!