Autorität - noch eine Meinung

 

Autorität

Noch eine Meinung

 

Was bedeutet der Begriff heute in unseren Leben? Ist dieser Begriff positiv besetzt? Oder eher negativ? Das Wörterbuch definiert den Begriff folgendermaßen: „Auf Tradition, Macht, Können beruhender Einfluss und dadurch erworbenes Ansehen“. Das Gabler Wirtschaftslexikon sagt dazu: „Bezeichnung für die Möglichkeiten einer Person, Gruppe oder Institution, Einfluss auf andere Personen auszuüben und ggf. den eigenen Willen gegenüber diesen durchzusetzen...“

Hier finden wir schon unterschiedliche Perspektiven: „Einfluss nehmen“ ist etwas anderes als „Willen durchsetzen“. 

Beginnen wir mit dem Aspekt, dass eine Person mit Autorität Einfluss nehmen kann. Die Empfehlung, Meinung, Anweisung der Autorität wird angenommen und ohne Widerstände akzeptiert. Im Berufsleben sehr angenehm 😏. Je höher meine Autorität bei meinen Kollegen oder Mitarbeitern, desto weniger Druck muss ich ausüben, desto weniger Energie muss ich in Motivation stecken. Es reicht meine Empfehlung. Kein Verstecken hinter Hierarchie und Befehlskette (in agilen Zeiten gefragt), ich kann meine Vorgehensweise ohne Reibungsverluste durchsetzen. Spart Zeit und Energie. Das funktioniert sogar ohne hierarchische Macht. Ich durfte schon häufiger beobachten, dass jemand viel Einfluss in einer Organisation hat, obwohl das Organigramm das nicht erkennen lässt. Jemand, der aufgrund seiner Kompetenzen und seinem Ansehen vorausgeht und anführt. Diese Menschen fragen wir, wenn wir uns selber unsicher sind. Sie sind Entscheidungshelfer. Sie besitzen Durchsetzungskraft, Glaubwürdigkeit und Kompetenz. An ihnen orientieren sich die Anderen. Ich bezeichne das als „natürliche“ Autorität  (diese ist erworben, nicht angeboren), sie braucht nicht zwingend die hierarchische Macht. Sind diese Menschen gleichzeitig mit Macht ausgestattet, führen sie mühelos und effizient. 

Wie verhält sich dazu „Willen durchsetzen“? Ist die Autorität so angelegt wie oben beschrieben, dann setze ich mit meiner Empfehlung auch meinen Willen durch. Es besteht kein Unterschied. Ist die Autorität allerdings vorwiegend durch meine hierarchische Position begründet und meine Mitarbeiter würden mir ohne diese Macht nicht folgen, dann entstehen energieintensive Widerstände. Mitarbeiter folgen nicht aus Überzeugung, sondern aufgrund der Machtverteilung. In aller Regel folgen sie deswegen widerwillig, und widerwillige Mitarbeiter geben logischerweise niemals ihr Bestes.

Meiner Meinung nach, sollte jeder danach streben eine Autorität zu sein, die unabhängig von der Position besteht. Müssen die Mitarbeiter folgen, dann bleibt ein innerer Widerstand bestehen, der täglich überwunden werden muss. Das kostet Energie, bindet Ressourcen. Krisen zeigen, welche Organisation Stärken bündelt: die Organisation mit Autoritäten im besten Sinne, kann ihre Mannschaft geschlossen und fokussiert hinter sich wissen. Alle geben ihre Energie für die Bewältigung der Krise. Ist dem nicht so, dann verlieren sie zu viel Energie im Widerstand gegen die getroffenen Entscheidungen. Jede Veränderung, die eine Organisation einführen will, verliert ihre Wirkung, wenn die Mitarbeiter im inneren Widerstand verhaftet bleiben. Jede Organisation sollte deshalb ihre Führungskräfte (gerade das sogenannte mittlere Management) darin unterstützen eine natürliche Autorität zu sein/zu werden.  

Ist „Autorität sein“ für jeden Menschen ein Thema? Ich denke ja! Irgendwann begegnet jeder Mensch diesem Thema. Viele Menschen wollen nicht autoritär sein, weil sie negative Erfahrungen mit Autoritäten gemacht haben. Das ist so schade! Damit nehmen sie sich die Möglichkeit Einfluss zu nehmen, sie können nicht bestimmen und sind unnötig oft anderen Menschen oder Situationen ausgeliefert. 

Zumindest in der eigenen Lebensweise sollte man die Autorität sein, die bestimmt, wo es lang geht. Mit allen dazugehörigen Risiken - wenn ich Einfluss nehme, dann muss ich natürlich auch mit den Konsequenzen umgehen. Dann kann ich nicht mehr die Schuld auf andere schieben, dann kann ich nicht mehr jammern. Als Autorität in meinem eigenen Leben trage ich hoch erhobenen Hauptes die Konsequenzen meines eigenen Handelns. Ist es das, was so viele nicht wollen - verantwortlich sein? Lieber passiv sein, aber meckern können? Ich finde, dass diese Menschen einfach unangenehme Zeitgenossen sind, weil sie immer eine negative Einstellung haben und Prozesse blockieren oder erschweren. Beruflich begegnen sie mir öfter - privat meide ich sie konsequent. Beruflich kann ich aber innerhalb meiner Möglichkeiten Einfluss nehmen - meine Autorität aufbieten, um diese Menschen „in Bewegung“ zu setzen.