Mut - Niederlagen sind Mutproben

Mut

Niederlagen sind Mutproben

 

Wer in seinem Leben schon einmal eine große Niederlage erlitten hat (privat oder beruflich), der weiß, dass das ein entsetzlicher Zustand ist. Wir wenden, je nach Charakter und bisherigen Erfahrungen, unterschiedliche Strategien zur Bewältigung an:

  1. Wir haben uns vorher keine Mühe gegeben und nehmen die Niederlage somit nicht persönlich. „Hätte ich mich angestrengt, dann wäre das nicht passiert. Ich wollte das sowieso nie wirklich.“ - Die Ausweicher
  2. Wir suchen die Ursache für die Niederlage bei den Umständen. „ Die Welt oder Person hat sich gegen mich verschworen. Nie gelingt mir etwas, weil es die Welt verhindert.“ - Die Opfer
  3. Wir versinken in Selbstvorwürfen und machen uns so klein, so dass wir keine Lösungen mehr sehen und uns passiv in unser Schicksal fügen. „Was habe ich denn gedacht? Jemand wie ich, der erreicht sowieso nie etwas.“- Die Rückzieher
  4. Wir rennen sofort wieder los und gehen in die Aktion. Wir greifen an! „ Das wollen wir doch mal sehen, denen zeig ich es. Das lasse ich mit mir nicht machen.“ - Die Aggressiven

 

Was sind die Gründe für die jeweiligen Strategien? Welche Vorteile verschaffen uns die jeweiligen Haltungen vordergründig?

Die Vermeider sind glücklich, sie leben in einem Paralleluniversum: dort wären sie erfolgreich. Die Opfer haben ein bequemes Lebensgefühl: ihr Ego ist geschützt, da sie grundsätzlich großartig sind - die anderen sind schlecht. Die Rückzieher haben ein  ruhiges Lebensgefühl: sie sind vor Anstrengung und Schmerz geschützt, sie werden nie wieder eine Niederlage erleiden, da sie nie wieder etwas tun. Die Aggressiven sind im Lebensgefühl neutral: sie haben keine Zeit zu denken und zu fühlen (sie sind ja immer aktiv). Spannender Nebeneffekt: die Strategien sind häufig anerzogen, es gibt Familie, die alle Opfer/Rückzieher/Vermeider/Aggressive sind.

 

Was ist denn der Preis? Was ist der Nachteil?

Grundsätzlich gilt, dass wir für alle Strategien erst auf die lange Sicht bezahlen. Sind wir jung und stehen am Anfang , können wir die Nachteile noch ignorieren. Für alle Strategien gilt: die Menschen bleiben unter ihren Möglichkeiten und verschwenden ihre Ressourcen und Talente. Die Vermeider müssen im Laufe ihres Lebens immer mehr Ressourcen aufbringen, um die Parallelwelt aufrecht zu erhalten. Die Realität klopft immer stärker an. Das bindet sehr viel Ressourcen und lässt Talente verkümmern. Die Opfer müssen im Laufe ihres Lebens immer mehr Ressourcen aufbringen, um ihre wachsenden Aggressionen unter Kontrolle zu halten. Das bindet sehr viel Ressourcen und lässt Talente verkümmern. Die Rückzieher müssen im Laufe ihres Lebens immer mehr Ressourcen aufbringen, um ihre Sehnsüchte und Wünsche zu unterdrücken. Das bindet sehr viel Ressourcen und lässt Talente verkümmern.  Die Aggressiven müssen im Laufe ihres Lebens immer mehr Ressourcen aufbringen, um die Abfolge der Niederlagen noch als weitere Motivation nutzen zu können. Das bindet sehr viel Ressourcen und lässt Talente verkümmern. Bei jedem Typ kommt es früher der später zu einer Schwächung/Krise, weil die Energie schwindet und die Themen nach oben kommen.

 

Was hat das alles mit Mut zu tun? 

Was ist Mut überhaupt? Mut ist die Fähigkeit, in einer Situation, die man als gefährlich oder riskant einschätzt, seine Angst zu überwinden. 

In einer Niederlage/im Scheitern begegnen wir uns selber und unseren Ängsten. In einer Niederlage/im Scheitern sind wir alleine mit uns. Und es erfordert viel Mut, sich diesem Alleinsein zu stellen und sich selber zu begegnen. Es erfordert Mut, weil wir eine schmerzhafte Erfahrung erwarten. Wer sucht schon freiwillig Schmerzen? Wer geht freiwillig in eine Einsamkeitserfahrung und Selbstbegegnung, die Angst macht? 

Aber das Leben ist nie nur Sonnenschein. Auf und ab. Mal läuft es perfekt, mal läuft es ok, mal läuft es holprig, mal läuft es gar nicht. Wer den Mut aufbringt, auch in den Niederlagen bewusst zu sein, der findet im Laufe der Jahre immer mehr Ressourcen und braucht nicht zu fürchten, dass ihm seine Strategie irgendwann auf die Füße fällt, weil die Kraft nachlässt. Damit ist noch lange nicht alles immer toll! Das Leben ist nicht immer angenehm, aber die Mutigen wachsen in ihren Ressourcen und sie werden stärker. Das alleine ist für mich Argument genug. Ich möchte nie so leben, dass große Teile meiner Kraft dafür genutzt werden, Erkenntnisse unter dem Deckel zu halten.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0